Tradition mit Haltung – ein Abend im Vier Linden
Ein Abend im Zeichen der Gemeinschaft
Am Samstag feierte die St. Pankratii Brüderschaft ihr 612. Stiftungsfest. Der Abend stand für das, was diese Gemeinschaft seit über sechs Jahrhunderten trägt: Verlässlichkeit, Haltung und die Bereitschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen. Gastgeber war in diesem Jahr Bruder Stefan Krause, der sich mit dem Fest in die lange Reihe festgebender Brüder einreihte.
Unter der Leitung des präsidierenden Ältermanns Johann-Heinrich Buhrfeind versammelten sich Brüder und Gäste im Restaurant Vier Linden. Das von Bruder Lutz Feldtmann geführte Haus bot mit seiner vertrauten Atmosphäre und der bewährten Küche einen passenden Rahmen für ein festliches und zugleich persönliches Stiftungsfest. Von Beginn an war eine offene, herzliche Stimmung spürbar. Gespräche und Begegnungen auf Augenhöhe prägten den Abend und verliehen ihm eine angenehme Leichtigkeit.
Der Weg in die Brüderschaft
Der Weg von Stefan Krause in die Brüderschaft begann mit einer persönlichen Begegnung. Als Vermieter einer Immobilie für die Familie Stelzer entstand zunächst ein geschäftlicher Kontakt, aus dem sich bald ein tieferes Interesse an der Brüderschaft entwickelte. Die Familie Stelzer, eine der traditionsreichsten Vater-Sohn-Linien innerhalb der Gemeinschaft, führte ihn schließlich an deren Werte und Selbstverständnis heran.
Der festgebende Bruder
Stefan Krause ist Diplom-Ingenieur, Kfz-Sachverständiger und Unternehmer. Sein beruflicher Werdegang ist geprägt von Neugier, Disziplin und Gestaltungswillen. Besonders hervorzuheben ist sein Entschluss, sich mit 45 Jahren nochmals akademisch weiterzubilden und am Hansecampus Stade den Master of Science im Bereich Faserverbundwerkstoffe zu erwerben.
An seiner Seite steht seine Frau Sabrina, die ihn seit vielen Jahren begleitet. Sie unterstützt ihn im privaten wie im beruflichen Umfeld und trug auch bei der Ausrichtung dieses Stiftungsfestes mit Übersicht, Engagement und ruhiger Hand wesentlich zum Gelingen des Abends bei.
Worte, die tragen
Die Abfolge der Reden folgte der überlieferten Ordnung und gab dem Abend seinen inhaltlichen und geistlichen Rahmen. Den Auftakt bildete das Gebet von Pastor Volker Dieterich-Domröse, der das Stiftungsfest in den Zusammenhang von Dankbarkeit, Verantwortung und Gemeinschaft stellte.
Den Trinkspruch auf die Gäste sprach der festgebende Bruder Stefan Krause. In einer bodenständigen und warmen Ansprache hieß er die Anwesenden willkommen und brachte seine Freude über das gemeinsame Feiern zum Ausdruck.
Der Trinkspruch auf die Landeswohlfahrt wurde von Bruder Arne Kramer gehalten. Mit klarem Blick auf Gegenwart und Zukunft warb er für Zuversicht und Gestaltungswillen und stellte das Engagement der Brüderschaft als Beispiel gelebter gesellschaftlicher Verantwortung heraus.
Den Trinkspruch auf den festgebenden Bruder übernahm Bruder Thomas Stelzer. Persönlich, kenntnisreich und mit feinem Humor zeichnete er den Lebensweg von Stefan Krause nach. Eine musikalische Einlage, bei der er selbst zur Gitarre griff, sorgte für einen lebendigen und heiteren Moment und wurde mit viel Applaus aufgenommen.
Den Trinkspruch auf die Frauen und Jungfrauen hielt Bruder Lars Fritsch. Mit Respekt und feinem Gespür würdigte er ihre Rolle als tragende Kraft der Gemeinschaft. Der von ihm gezogene Vergleich zur Löwin – aufmerksam, kraftvoll und beschützend – fand große Zustimmung im Saal.
Die Erwiderung der Gäste übernahm Achim Breitfeld, ein enger Freund des festgebenden Bruders, der eigens aus Bayern angereist war. Mit bayerischem Akzent, Empathie und Witz gewann er den Saal schnell für sich. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte sein Einstieg auf Plattdeutsch mit deutlich bayerischer Färbung – eine Kombination, die für viel Heiterkeit und Applaus sorgte.
Grußwort der Hansestadt Stade
Das Grußwort der Hansestadt Stade sprach der Erste Stadtrat, Bruder Lars Kolk. In seinem Beitrag erinnerte er an den großen Stadtbrand von 1765, der weite Teile Stades zerstörte und die Stadt vor enorme Herausforderungen stellte. Er würdigte, wie die St. Pankratii Brüderschaft bereits damals durch Spenden und Unterstützung half, Not zu lindern und den Wiederaufbau zu ermöglichen. Diese gelebte Solidarität, so Kolk, sei bis heute prägendes Selbstverständnis der Brüderschaft und Ausdruck ihrer tiefen Verbundenheit mit der Hansestadt.
Geistlicher Abschluss
Den geistlichen Abschluss des Redenteils gestaltete Pastorin Sonja Domröse. In ihrer Ansprache griff sie Gedanken aus Ernst Blochs „Prinzip Hoffnung“ auf und stellte Hoffnung als aktives, verantwortungsbewusstes Handeln in den Mittelpunkt.
Musik, Tanz und Ritual
Musikalisch wurde das Festmahl vom Trio Saitensprung begleitet, bevor DJ Gian-Luca Elfers alias DiskJohnny den Ball eröffnete. Die Tanzfläche blieb bis in die frühen Morgenstunden belebt. Ein fester Höhepunkt war erneut das mittelalterliche Menuett, eröffnet vom gastgebenden Bruder gemeinsam mit dem Gastgeber des Vorjahres.
Gemeinschaft, die wirkt
Im Tabakskollegium wurden fünf neue Brüder in die Gemeinschaft aufgenommen – ein Zeichen dafür, dass die Brüderschaft lebendig bleibt und ihre Werte in die Gegenwart trägt. Wie seit Jahrhunderten war auch dieses Stiftungsfest eng mit dem wohltätigen Auftrag verbunden. Spendenbeiträge und Pokalspenden füllten erneut die Dosen und machten deutlich, dass Gemeinschaft sich nicht nur im Feiern, sondern vor allem im Helfen zeigt.
Ein Abend, der einmal mehr verdeutlichte:
Tradition bedeutet Verantwortung.
Gemeinschaft entfaltet Wirkung.
Für Stade. Für das Gute. Für gelebte Gemeinschaft.